Nachlese: STARK gemacht! auf der #rp13

13.05.2013

Die re:publica hat in ihrer siebten Auflage wieder Rekorde aufgestellt. 5000 Teilnehmende trafen sich vom 6. bis zum 8. Mai in der STATION am Gleisdreieck. Die Konferenz bildete im Programm annähernd alle relevanten netzpolitischen Debatten ab. Zwischen Netzneutralität und Katzen-Content ging es auch um gesellschaftliche Beteiligung im 21. Jahrhundert. STARK gemacht! war vor Ort.

Foto: Georg Fischer / re:publica / flickr / CC-BYEs gibt Netz. Wahnsinnige 2,5 Kilometer Kabel und über 100 Router sorgen auf dem riesigen Gelände zum ersten Mal in der Geschichte der Konferenz für beinahe ununterbrochene Versorgung mit einem Internetzugang. Damit hat der seit Anbeginn gültige Treppenwitz um die re:publica – „Ich bin dann mal 3 Tage offline.“ - ein Ende gefunden. Diese vermeintliche Randnotiz steht symbolisch für die Professionalisierung der Szene.

Vor vier Jahren waren Netzsperren das große Thema und VertreterInnen aus dem Umfeld der #rp bewiesen Überzeugungskraft, Kampagnen- und Mobilisierungsfähigkeit. Vor zwei Jahren wurde die Lobby-Organisation Digitale Gesellschaft e.V. gegründet, um das „freie“ und „offene“ Internet gegen fehlgeleitete Politik und Konzerninteressen zu verteidigen. Und 2012 wurde ACTA von europaweiten Protesten zu Grabe getragen.

Sascha Lobo (Foto: Gregor Fischer / re:publica / flickr / CC-BY)Zwischen Ernüchterung und Aufbruch

Nach der Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverlages, die als Niederlage empfunden wurde, und dem durch die Deutsche Telekom verkündeten drohenden Ende der Netzneutralität, wie sie die meisten Teilnehmenden der Konferenz verstehen, hat sich große Ernüchterung breitgemacht.

Sascha Lobo sagt in seinem ungewohnt ernsten „Überraschungsvortrag“ am ersten Abend (Youtube), man habe nicht verstanden, dass es bei Netzpolitik eben nur zu einem sehr kleinen Teil um Netz und sehr viel mehr um Politik gehe. Dass kurzfristige Koalitionen mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren nötig seien.

Wie diese aussehen könnten, zeigt sich auf einem Panel, wo eine Vertreterin der Bundesnetzagentur auf dem Podium und das Publikum im Saal den armen Manager Jan Krancke von der Deutschen Telekom zerlegen (Youtube). Der Kreis der VeranstalterInnen sieht die große Aufgabe darin, dieses Thema im Wahljahr 2013 groß zu machen. Die gesellschaftliche Relevanz des Themas für wirklich alle MedienkonsumentInnen zu verdeutlichen. Mit Ben Scott, der in den USA mit Free Press an einer ähnlichen Kampagne maßgebend beteiligt war, scheint ein guter Berater zur Verfügung zu stehen. In gleich mehreren Talks berichtet er von den Erfahrungen und analysiert auch die deutsche Situation.

Eines wird einmal mehr klar und schlägt sich in diversen Aufrufen zur Beteiligung nieder: Wer sich zurücklehnt und glaubt, das werde schon von alleine, der irrt. Nicht nur, dass die Wahrscheinlichkeit von konzerninteressengeleiteter Netzpolitik ohne Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Akteuren wächst. Jeder und jedem einzelnen entgeht die Möglichkeit, Politik im eigenen Sinne zu beeinflussen. Also Politik für NutzerInnen, ProduzentInnen und für gesellschaftliche Interessen zu machen. Und dieser Einsatz ist selbstverständlich nicht altersabhängig.

Foto: Gregor Fischer / re:publica / flickr / CC-BYKonferenz, Festival, Fundgrube

Doch die re:publica ist wie jedes Jahr so viel mehr: Ein Kulturfestival; mit der re:campaign eine barcamp-artige Weiterbildung für AktivistInnen aus allen Lagern; ein Bildungsevent, auf dem sich dutzende Sessions mit den Belangen von Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen; ein Abbild des global village, in dem kenianische Start-Ups, die kubanische Dissidentin und Bloggerin Yoani Sanchez oder auch die Lage in Syrien gleichberechtigt nebeneinanderstehen – kurzum: eine riesige Fundgrube.

Dass in diesem Jahr die Qualität der Sessions gefühlt im Schnitt etwas abgenommen hat, hängt auch damit zusammen, dass die Ankündigungen im Programm Erwartungen schüren, denen die SpeakerInnen gelegentlich nicht gerecht werden können. Aber das ist eher die Ausnahme. Das Programm liefert Aha-Momente und Überraschungen en masse. Wer von den Urheberrechtsdebatten oder der großen Politik ermüdet ist, kann diese einfach links liegen lassen. Schließlich werden sieben Bühnen und 4 Workshop-Räume parallel bespielt. Langeweile gibt es nicht. Dann schon eher Reizüberflutung, sodass Erschöpfung über die eigene Neugier siegt. Und schon findet man sich unversehens bei Kate Miltner wieder, die vor Hunderten über die soziale Bedeutung von LOLCats referiert (Youtube).

Nacherleben für Daheimgebliebene

Teil der technologischen Aufrüstung anno 2013 war das Mitschneiden des Programms auf insgesamt fünf Bühnen, während nur eine Bühne live gestreamt wurde. Eine Vielzahl des Video-Materials ist bereits online. Entweder Ihr durchforstet den Youtube-Kanal der re:publica (Vorsicht - über 140 Videos!) oder Ihr bedient Euch des Sessionplans, den Michael Kreil freundlicherweise gebastelt und auf github.io zur Verfügung gestellt hat. Wie jedes Jahr sind die Fotos auf flickr gemeinfrei.


Text: Frank Segert / CC-BY-SA
Grafiknachweis: Gregor Fischer / re:publica / flickr / CC-BY

 

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